Eigentlich hätten beim Auktionator alle Alarmglocken schrillen müssen, als er das Bild als eine „seitenverkehrte Wiederholung“, beschrieb; so etwas gibt es nämlich nicht; ist etwas seitenverkehrt, dann ist es eine Kopie; nicht mehr und auch nicht weniger. Alles andere ist Täuschung des Verbrauchers, bzw. in diesem Fall des Kunstliebhabers.Erst vor kurzem habe ich mich ein wenig genauer ausgelassen, warum ich den Begriff Kopie durchaus zu schätzen weiß.

 

Hier der Katalogtext der 123. Auktion des Pforzheimer Kunst und Auktionshauses zu dem unten abgebildeten Bild:

 

Los 429 Rubens, Peter Paul; Umkreis/Schule
1577-1640, Umkreis/Schule des 17. Jhd., seitenverkehrte Wiederholung des Rubens-Gemäldes Ixion und Nephele, belebte Szene auf dem Olymp, rechts der König Ixion in Umrarmung mit Nephele, die von Zeus aus einer Wolke nach Heras Ebenbild geformt wurde, links ganzfigurig die tatsächliche Hera mit ihrem Pfau als Attribut, oben links auf einer Wolke der sitzende Zeus, anbei 2 Putti, rechts in verdunkelten Hintergrund zu sehen ist Medusa, bewegte barocke Komposition, Öl/Lw., restaur., H. 40, B. 53, vergoldeter Prunkrahmen mit durchbrochenem Akanthusdekor.

 

Abbildung: Kunst und Auktionshaus Pforzheim

 

Die Geschichte, von der hier die Rede ist, ist ziemlich unschön. Sie handelt von König Ixion, der seinen Schwiegervater in einer Grube glühender Kohlen umbringen lässt um zum Dank dafür in den Olymp versetzt zu werden. Dort soll er für seine Taten büßen. Ixion sieht natürlich seine Erhöhung in den Olymp bei weitem nicht als Strafe an, weit gefehlt. Er fühlt sich dort anscheinend sauwohl, trinkt in übermaßen und macht die Frau des Zeus, Hera, an. Wer jetzt erwartet hätte, daß Zeus mit einem seiner Blitze den Frevler aus dem Olymp schleudern würde, sieht sich getäuscht; ganz im Gegenteil. Damit Ixion seine Lust befriedigen kann, formt er aus einer Wolke das Abbild der Hera. Während Zeus im Hintergrund des Bildes in Denkerpose abbgebildet ist, scheint Hera sich diebisch darüber zu freuen, dass der Wüstling seinen Spaß mit einer Wolke auszuleben hat.

Wie in der Katalogbeschreibung richtig erkannt, handelt es sich dabei um eine „bewegte barocke Komposition“, allerdings ist in der Originaldarstellung von Rubens die Szene noch viel „barocker“ ausgefallen. Das Bild ist gegenwärtig in der Außenstelle des Louvre in Lens zu besichtigen:

 

Bild: Wikimedia commons; Musée du Louvre, 175 x 245 cm

So sieht also die Komposition von Rubens also „richtigherum“ aus und lässt die Darstellung schon ganz anders wirken. Dies liegt auch daran, daß der Bildausschnitt viel enger gewählt ist: die Flügel des Genius, der über allen schwebt, sind nicht zu sehen und auch der Rücken des Zeus wurde weggelassen. Da wirkt die Kopie in der Komposition viel großzügiger. Dabei handelt es sich selbstverständlich um die künstlerische Freiheit desjenigen, der den Kupferstich nach Rubens dazu anfertigte und zwar der Maler und Kupferstecher Pieter Soutman:

3250 Euro, Auktion vom 06. Februar

 

Abbildung: The trustees of the British Museum,  R 4.59; 25,3 x 32,5cm

Da Soutman das Format des Bildes im Kupferstich wesentlich verkleinerte, ist aus der Kopie auch nur ein „Kabinettbild“ geworden, welches seine Größe durch einen dementsprechend opulenten Rahmen aufzuwerten versucht. Auch übermittelt der Kupferstich keine Farben, so daß der Kopist daüber nur Vermutungen anstellen konnte. Überraschenderweise hat er die Farben überwiegend richtig getroffen; beim Schamtuch der wolkigen Täuschung für Ixion ist es jedoch ein himmelblau geworden wobei im Original die Farbe weiß – wie die Unschuld – genommen wurde.

Was der Kupferstich ebenfalls nicht abbilden konnte sind die fleischlichen Qualitäten des Originals, also die feinen Abstufung der Farbtöne der Haut, wie sie nur Rubens hinbekommen hat. Der arme Kopist konnte seinen Figuren lediglich eine „albasterhafte Körperlichkeit“ verleihen, und so ist die Haut seiner Schönheiten einfach nur weiß.

 

Da also das Bild eindeutig nach dem Kupferstich entstanden ist, kann es folglich überall gemalt worden sein. Ein Herkunft aus der Werkstatt oder gar selbst aus dem Umkreis von Rubens ist keinesfalls gegeben. Ja, das Bild kann Jahrzehnte wenn nicht sogar Jahrhunderte nach Entstehung des Kupferstiches gemalt worden sein. Tatsächlich sind die Figuren nicht mehr „barock raumausfüllend“ sondern wirken teilweise schon recht verspielt und leicht, was man eher mit dem Rokoko in Verbindung bringen könnte. Auch das 19.Jh. mit seinem Interesse Alte Meister zu kopieren könnte als Entstehungszeitraum für das Bild herhalten.

 

Fazit:  Da bei diesem Bild nichts sicher ist, hätte man  – um ehrlich zu sein – am besten von einer Kopie nach dem Stich von P. Soutman nach der Vorlage von P.P. Rubens. gesprochen.

 

Das Bild wurde übrigens am 06.02.2021 für 3250 plus Aufgeld zugeschlagen. Man kann nur hoffen, daß der Käufer sich bewußt ist kein Bild aus der Rubenszeit damit erworben zu haben. Sonst hätte er sein Geld zum Fenster rausgeworfen.