Gerade ist die TEFAF (The European Fine Art Fair) in Maastricht zu Ende gegangen. Falls Sie dort noch nicht waren, dann empfehle ich Ihnen der Messe beim nächsten Mal unbedingt einen Besuch abzustatten. Derart viele qualitätsmäßig hochwertige Altmeister, die man auch noch kaufen kann, werden sie kaum ein zweites Mal auf einem Platz versammelt antreffen.

Vorliegendes Bild hätte es zwar qualitätsmäßig nicht auf die TEFAF geschafft, dafür ist es auch nicht zu verkaufen. Es ist gut sichtbar für jedermann in der Kapelle der Sankt Servatiusbasilika in Maastrich aufgehängt:

 

Auch wenn die Überschrift zu diesem Beitrag ein wenig reißerisch klingen sollte: Im vorliegenden Fall hat man eine italienische Darstellung von Christus mit der Dornenkrone des Malers Guido Reni genommen und es mit einem ureigensten Thema der niederländischen Malerei, der Blumendarstellung, verknüpft. Wie man also unschwer feststellen kann, hat man sich im Norden gerne – durch Kupferstiche vermittelt – über künstlerische Neuerungen jenseits der Alpen informiert.

Guido Reni galt lange Zeit bis weit in das 19. Jh. hinein als „Superstar“ der Malerei, so dass man ihn oft und gerne kopiert und in Kupfer vervielfältigt hat. So findet man seinen Christus in zahlreichen Versionen vervielfältigt, wie z.B. von dem ansonsten wenig bekannten Kupferstecher mit Namen Cajetanus Urbinas:

The Metropolitan Museum of Art, New York, The Elisha Whittelsey Collection, The Elisha Whittelsey Fund, 1951 (51.501.4445)
http://www.metmuseum.org/Collections/search-the-collections/668331

Zugegeben: Vergleicht man vorliegendes Bild und den Kupferstich, dann hat sich der Maler gegenüber der Vorlage durchaus seine künstlerischen Freiheiten herausgenommen. Die betenden Hände kommen im Kupferstich nicht vor und auch nicht der um die Schultern geworfene Mantel; allerdings hat er die etwas „schwachbrüstige“ Darstellung Christi und dessen nach oben gerichteten verklärten Blick gut getroffen.

Falls Sie Kopien nach Alten Meistern umkränzt von Blumen käuflich zu erwerben wünschen, dann können sie bei Hampel in München zuschlagen. Raffaels „Madonna della Sedia“ dient dazu das Beiwerk für ein prächtiges Blumen und Früchtestilleben abzugeben (hier). Daher hat der Künstler auch nicht allzu viel künstlerisches Talent auf die Madonna verschwendet bzw. so sehr hat sie ihn dann doch auch nicht wieder interessiert. Doch für den kunstverständigen Endkunden wird es sozusagen das i-Tüpfelchen schlechthin gewesen sein.